Ein super Bauchgefühl
Im Gespräch: Svenja Spranger, Director Human Resources, mit Ulrike Staats
Frau Staats, kann man als Rechtsanwalt heute noch ohne Internet arbeiten?
Auf gar keinen Fall, aber ich habe das tatsächlich mal erlebt.
Nicht in Deutschland…
Nein, ich war 2006 auf der letzten Station meines Referendariats in einer kleinen Kanzlei in Sydney. Da gab es nur Telefon und Fax. Kein E-Mail. Kein Internet.
Und geschrieben haben Sie…
…mit der Schreibmaschine. Das schult. Man muss sich eben erst einmal genau überlegen, was man schreiben will und legt erst los, wenn man alles durchdacht hat.
Womit haben Sie sich da beschäftigt?
Das ging so quer durch den Gemüsegarten: Erbsachen begüterter alter Damen, Immobilienrecht, Einwanderungsfragen, Arzthaftung, Gesellschafterverträge, Veräußerungen von Unternehmensteilen und ähnliches. Für mich war das vor allem interessant, weil ich so in vielen Rechtsbereichen mein Englisch verbessern konnte. Nach drei Monaten Tagesgeschäft ist man da sattelfest. Mir ist in dieser Zeit sehr schnell klar geworden, wenn Kanzlei, dann Großkanzlei mit spannenden Mandaten, bei denen es um was geht, internationalem Umfeld und der Möglichkeit, mich zu spezialisieren. So quer Beet zu arbeiten, war dann doch nichts für mich.
Sie haben zuvor in Deutschland Jura studiert.
Ja, ganz klassisch. In Saarbrücken Jura bis zum ersten Staatsexamen, dann ein Referendariat am Oberlandesgericht Zweibrücken.
War das wirklich so klassisch? Sie sind ja nicht direkt vom Abitur aus ins Studium gegangen.
Stimmt. Nach dem Abi wollte ich etwas Praktisches machen. Das waren zwei Jahre Ausbildung zur Bankkauffrau.
Das ist doch ein guter Berufsstart.
Ich dachte, das kann doch nicht alles gewesen sein. Während der Banklehre haben mich vor allem rechtliche Themen begeistert. Da habe ich mich für Jura eingeschrieben. Und im fünften Semester habe ich mich bei Taylor Wessing für ein Praktikum beworben.
Und?
Ich war spät dran und alle Plätze waren schon vergeben. Aber die Absage, die kam, war eher eine Aufforderung, miteinander in Kontakt zu bleiben. Sehr nett, sehr freundlich und persönlich. Das hat mir gut gefallen damals. Dann bin ich nach Sydney.
Als Sie aus Sydney wieder kamen, haben Sie sich dann dort beworben?
Ich habe mich bei einigen Kanzleien beworben. Da die Erinnerung an Taylor Wessing so positiv war, auch dort. Das Vorstellungsgespräch mit zwei Partnern war großartig. Wir haben fachlich diskutiert, aber in einer total entspannten Atmosphäre. Wir haben viel gelacht und ich hatte, als ich rausging, ein super Bauchgefühl. Gleich am nächsten Tag habe ich einen Anruf erhalten. Und man hat mich gefragt, ob ich kommen will. Ich war total perplex und habe gesagt, ich muss da erst mal eine Nacht drüber schlafen. Als ich aufgelegt hatte, habe ich gedacht: So ein Blödsinn. Natürlich willst du. Was denn, wenn nicht das? Und am Morgen darauf habe ich zugesagt.
Haben Sie’s bereut?
Nicht einen Tag. Ich finde es fantastisch hier. Mehr Glück mit Kollegen kann man nicht haben. Die Partner nehmen sich Zeit für Fragen und Diskussionen, ich habe hier eine ganze Reihe netter Menschen kennengelernt, auch privat. Und das Verhältnis von Leben und Arbeiten ist hier deutlich besser als in anderen Kanzleien. Man arbeitet zwar intensiv und konzentriert, aber nur in Spitzenzeiten geht das mal tief in die Nacht. Die Wochenenden sind meist frei, ich kann mein Yoga am Abend machen und meine Kinoleidenschaft kommt auch nicht zu kurz.
Was liegt denn gerade auf Ihrem Schreibtisch?
Das ist ein ganz spannendes Projekt. Eine Bank kam auf uns zu mit einem Kunden, der ein Geothermiekraftwerk bauen will. Wir haben uns dann mit dem gesamten rechtlichen Komplex auseinandergesetzt. Kreditvertrag, Sicherheitenverträge und so weiter. Das ist anspruchsvoll. Man muss sich da reinarbeiten. Und es macht auch noch Spaß. Projektfinanzierungen im Bereich der erneuerbaren Energien haben sicher ein enormes Entwicklungspotenzial. Große Fotovoltaik-Anlagen hatten wir auch schon.
Sie arbeiten also auch direkt mit Mandanten zusammen?
Mir obliegt das day-to-day Business. Da habe ich jeden Tag mit den Mandanten zu tun. Im Kämmerchen zu arbeiten, wäre nicht meins. Taylor Wessing ist eine junge und sehr dynamische Kanzlei. Da sind nicht nur fachliche Kompetenzen gefragt, sondern auch kommunikative.
