Wenn das Waffenleitsystem nicht funktioniert

Im Gespräch: Svenja Spranger, Director Human Resources, mit Dr. Janina Pochhammer

Svenja Spranger: Frau Pochhammer, mögen Sie Megayachten?

Janina Pochhammer: Ich bin viel auf Werften unterwegs – da sehe ich tatsächlich die eine oder andere Yacht von außen und innen. Ich kann dem schon etwas abgewinnen.

Auch der 160 Meter langen Megayacht von Herrn A., dem russischen Multimilliardär, die in 2010 vom Stapel lief und bei Blohm + Voss für angeblich mehr als 300 Millionen Dollar gebaut wurde?

Faszinierend, oder?

Sie beschäftigen sich nicht privat damit.

Ich bin für große Werften, aber auch für Anlagenbauer und Raumfahrt-Technologieunternehmen tätig.

Was machen Sie da genau?

Vor allem Vertragsgestaltung beim Bau von Schiffen, Satelliten oder auch Anlagen für erneuerbare Energien, also zum Beispiel Bauverträge und Lieferverträge. Hinzu kommt die Betreuung von Streitigkeiten, wenn solche Verträge nicht eingehalten werden.

Haben Sie ein Beispiel dazu?

Einer unserer Mandanten baut in der Atacama-Wüste in Chile Radioantennen zur Erforschung des Weltraums. Bei der Lieferung einzelner Antennenteile und der Montage gab es Schwierigkeiten. Der chilenische Subunternehmer hatte Probleme, seinen Vertrag zu erfüllen. Das führte zu einer Vertragsbeendigung und durch die Bauverzögerung zu Mehrkosten. Schließlich landete der Fall vor einem Schiedsgericht. In einem anderen Fall ging es um den Bau von U-Booten. Da hat ein Zulieferer ein Waffenleitsystem geliefert, das nicht funktionierte. Das hat den Bau aufgehalten, andere Subunternehmer konnten nicht weiterarbeiten – so entstanden Verzugsschäden. Und wir haben die Interessen unseres Mandanten gegen den Zulieferer vor Gericht vertreten.

Atacama-Wüste und Chile – sprechen Sie Spanisch?

Ich habe vor meinem Studium einige Monate in einem SOS-Kinderdorf in Paraguay gearbeitet und im Rahmen meines Studiums ein Jahr in Bilbao/Spanien studiert. Da lernt man, sich auch juristisch in einer anderen Sprache zu bewegen.

Sie waren noch mehr unterwegs.

Ja, ziemlich viel. Mit dem Auswärtigen Amt war ich im Generalkonsulat in Kapstadt, in New York habe ich während des Studiums ein Praktikum gemacht. Auch das hilft mir heute, weil fast alle unsere Projekte englischsprachig sind.

War das für Sie entscheidend, als Sie sich nach Ihrer Doktorarbeit nach einem Arbeitgeber umgesehen haben?

Ich bin da tatsächlich sehr strukturiert vorgegangen und habe mir eine Pro-und-Contra-Liste erstellt. Um ehrlich zu sein – die harten Kriterien haben nicht alle unbedingt für Taylor Wessing gesprochen. Zum Beispiel gibt es Kanzleien, die mehr zahlen.

Sie sind trotzdem zu Taylor Wessing gegangen.

Taylor Wessing war mir als die etwas andere Großkanzlei bekannt. Die Stimmung war schon im Vorstellungsgespräch gut. Wichtig war mir auch die realistische Perspektive, hier Partner zu werden, was im Mai letzten Jahres ja auch geklappt hat. Was mir gefällt, ist, dass wir uns hier verstehen als Pott voller Individuen. Keine homogene Truppe, die geschlossen von A nach B läuft. Und wir haben trotz dieser Individualität ein ausgezeichnetes Miteinander. Dazu gehört, dass wir hier auch mal zusammen in Ausstellungen oder im Rahmen von „Taylor Wessing-Sailing/Skiing“ segeln oder Ski fahren gehen.

Bleibt dazu denn Zeit?

Die Arbeitsbelastung ist schon hoch. Aber die Mandate sind extrem spannend und herausfordernd. Für mich stimmt das Verhältnis. Und das Lebensgefühl dabei.

Apropos Lebensgefühl – Sie waren in Elternzeit.

Im November 2010 ist meine Tochter zur Welt gekommen. Meine Elternzeit war kein Problem. Seit Juni 2011 gehe ich wieder ins Büro.

Teilzeit oder Vollzeit?

Erst einmal Teilzeit. Wie viel das sein wird, muss man sehen. Auf jeden Fall gibt sich Taylor Wessing große Mühe, Modelle einzurichten, umzusetzen und einzuhalten, mit denen man die Familie gut integrieren kann. Es gibt da eine große Flexibilität und viel Wohlwollen. Wo hat man das in großen Kanzleien sonst schon?