Der Anwalt der Gegenseite
Im Gespräch: Svenja Spranger, Director Human Resources, mit Daniel Hautumm
Svenja Spranger: Herr Hautumm, würden Sie gerne mal gegen einen Ihrer Kollegen einen Prozess führen?
Daniel Hautumm: Habe ich bereits getan.
Ich dachte, das sei nicht möglich.
Damals war ich noch nicht bei Taylor Wessing. Ich war bei einer anderen Kanzlei beschäftigt und ich vertrat eine Mandantin im Arbeitsrecht. Die Gegenseite wurde von Taylor Wessing vertreten.
Und wie ging es aus?
Natürlich haushoher Sieg für meine damalige Mandantin. Nein, Quatsch. Wir haben uns verglichen. Das war für beide Seiten ein gutes Ergebnis. Das hat man bei Taylor Wessing wohl auch so gesehen. Jedenfalls fragte man mich kurz darauf über einen Kollegen, ob ich mir vorstellen könnte, zu Taylor Wessing zu kommen. Es gab ein paar Gespräche. Ich fand das Modell sehr überzeugend und die menschliche Seite hat gestimmt. Und jetzt ist der Anwalt der Gegenseite mein Chef.
Was genau meinen Sie mit dem „überzeugenden Modell“?
Die Ausbildung ist in der Kanzlei, in der ich vorher war, leider zu kurz gekommen. Mein damaliger Chef war sehr viel unterwegs und hatte daher wenig Zeit. Hier ist das komplett anders. Hier ist die Ausbildung sehr gut. Man bespricht sich zwei- bis dreimal am Tag und ich erhalte viel Feedback. Auf eine faire Art und Weise.
Gibt es aus Ihrer Sicht noch weitere Aspekte?
Ja, beispielsweise lerne ich auch viel über taktisches anwaltliches Vorgehen, innerhalb von Prozessen, aber auch außerhalb. Dies sind Details, die man in Lehrbüchern und so weiter. einfach nicht findet. Dann kommt einmal pro Woche ein Englischlehrer, mit dem wir Arbeitsrecht auf Englisch trainieren. Das ist wichtig, weil wir viele US-amerikanische Mandanten haben. Dann das Ausbildungs- und Seminarprogramm, bei dem es sowohl um rechtliche als auch wirtschaftliche Themen geht. Und wir haben Jour-fixe-Termine, die die Associates mit den Partnern gemeinsam gestalten.
Und die Praxis?
Kommt auch nicht zu kurz. Ich habe direkten Mandantenkontakt und ich nehme eigenständig Gerichtstermine wahr.
Viel Kleinkram wahrscheinlich im Arbeitsrecht.
Es hat sehr unterschiedliche Aspekte. Das macht es interessant. Zum einen haben wir beratende Tätigkeiten, etwa bei der Erstellung gewöhnlicher Arbeitsverträge, Geschäftsführerdienstverträge, Aufhebungsverträge oder etwa Entsendungsvereinbarungen für den Auslandseinsatz, Mitarbeiterbeteiligungsmodelle, Restrukturierungen und so weiter. Aber dann gibt es auch die gerichtliche Seite: Kündigungsschutzprozesse, Zahlungsklagen und ähnliche Themen …
Auch mal was Spektakuläres?
Klar, wir hatten kürzlich einen Fall aus der Automobilindustrie. Da wurde ein Geschäftsführer einer Auslandsniederlassung wegen Bestechung vor die Tür gesetzt. Der Geschäftsführer hat dann dagegen geklagt und zunächst alles abgestritten. Er saß mehrere Monate in Untersuchungshaft und ist dann weich geworden. Schließlich hat er alles zugegeben. Das war nicht nur die übliche Bestechung. Das war Wirtschaftskriminalität auf höchster Ebene.
Sie waren während Ihres Studiums auch im Ausland?
Stimmt. Ich habe in Heidelberg und Köln studiert und war im Rahmen meines Studiums ein Jahr in Australien. Im Rückblick war das Jahr Australien definitiv das schönste Studienjahr.
Und der Umgang mit den Kollegen?
Ist sehr locker. Wir spielen auch Fußball zusammen und das Kanzlei-interne Fußballturnier einmal im Jahr ist eine wirklich gute Veranstaltung. Ich gehe stark davon aus, dass München dieses Jahr den Pokal wieder nach Hause holen wird. Auch das unterstützt jedenfalls die gute und oft lustige Atmosphäre. Man muss allerdings auch über sich selbst lachen können …
