Zwischen enger Partneranbindung und individuellem Gestaltungsraum

Im Gespräch: Svenja Spranger, Director Human Resources, mit Dr. Adriane Gullo

Svenja Spranger: Frau Gullo, was beschäftigt Sie gerade beruflich?

Adriane Gullo: Wir bereiten gerade eine Hauptversammlung für eine Aktiengesellschaft vor, bei der die noch verbliebenen Minderheitsaktionäre aus dem Unternehmen im Wege des Squeeze-out ausgeschlossen werden sollen.

Das klingt nach viel Arbeit.

Ja, im Zusammenhang mit einem solchen Squeeze-out müssen neben der Einladung zur Hauptversammlung zahlreiche Dokumente vorbereitet werden. Die Hauptversammlung selbst bedarf ebenfalls einer gründlichen Vorbereitung, weil sie üblicherweise auch von kritischen Aktionären besucht wird. Oft schließen sich an eine solche Hauptversammlung umfangreiche Beschlussmängelstreitigkeiten und oft auch ein Spruchverfahren an, in denen wir regelmäßig von einer guten Vorbereitung profitieren. Nach dem Spiel ist damit auch hier quasi vor dem Spiel.

Das hört sich nach einem spannenden Projekt an.

Ja, das stimmt. Viele Gesellschaftsrechtler betreuen bevorzugt Transaktionen. Mir machen dagegen eher umfangreiche Gerichtsverfahren und das Erstellen von Schriftsätzen Spaß. Ich mag komplexe Verfahren, in denen auch strategische Fragen eine wichtige Rolle spielen. In solchen Verfahren kann es zum Beispiel vorkommen, dass ich einen hundert Seiten langen Schriftsatz mit strategischem Aufbau verfasse und dabei meine Argumentation sehr genau an die Lage des Unternehmens anpassen muss.

Sie beschäftigen sich vor allem mit Gesellschaftsrecht. Ihre Mandanten sind meist Kapitalgesellschaften, die Sie beraten …

… und die ich auch in Gerichtsverfahren vertrete. Das reizt mich gerade an meiner Beratungstätigkeit: Sie umfasst sowohl rechtsgestaltende Elemente als auch gerichtliche Auseinandersetzungen.

Sind da die Abende manchmal länger?

Ja, große Projekte mit engem Zeitplan können mich abends länger und gelegentlich auch am Wochenende beanspruchen. Ein Squeeze-out ist beispielsweise ein extrem spannendes Verfahren, von dessen Ausgang für unseren Mandanten viel abhängt. Er muss sich voll und ganz auf uns verlassen können, was bei solchen Verfahren auch eine zeitliche Flexibilität auf unserer Seite bedeutet. Da ist es selbstverständlich, dass er auf uns zählen kann. Je nachdem, welche Aktionäre kommen, kann eine Hauptversammlung auch schon mal bis kurz vor Mitternacht dauern. Bis dahin muss sie aber abgeschlossen sein, da sonst keine wirksamen Beschlüsse mehr gefasst werden können und wir von vorne anfangen müssten. Das darf natürlich nicht passieren. Also besser jetzt eine perfekte Vorbereitung.

Kann so etwas ein Traumjob sein?

Klar. Ich wollte schon während des Studiums gerne später in einer großen Wirtschaftskanzlei arbeiten, da dort insbesondere im Gesellschaftsrecht spannende Fragen bearbeitet werden. Daher habe ich mich bereits während meiner Studienpraktika für Gesellschaftsrecht und insbesondere für Aktienrecht interessiert. Ich mache also jetzt genau das, was ich schon immer machen wollte. Diesbezüglich war ich wohl sehr früh fokussiert.

Wann kam Taylor Wessing dabei ins Spiel?

Auch schon sehr früh. Ich habe bereits im November 2002 nach dem schriftlichen Teil meines ersten Staatsexamens angefangen, bei Taylor Wessing als wissenschaftliche Hilfskraft zu arbeiten.

Zwischendurch haben Sie aber doch noch in anderen Kanzleien Erfahrungen gesammelt.

Ja. Ich war während meiner Wahlstation in New York und habe nach dem ersten Examen sechs Monate in Wien in einer großen österreichischen Wirtschaftskanzlei als Juristin gearbeitet. Auch eine traditionelle deutsche Großkanzlei habe ich von innen gesehen. Aber im Grunde war für mich früh klar, dass ich gerne bei Taylor Wessing bleiben würde.

Waren die anderen Erfahrungen so schlimm?

Nein, natürlich nicht. Aber ich habe mich bei Taylor Wessing schon immer besonders wohl gefühlt. Wir haben hier einen sehr offenen und direkten Umgang miteinander, was ich sehr schätze. Schon als wissenschaftliche Hilfskraft nach dem ersten Staatsexamen hatte ich das Gefühl, dass ich dazugehöre. Jetzt als Associate kann ich mich jederzeit auch an einen Partner wenden, wenn ich Fragen habe. Gerade bei komplexen Themen braucht man nicht nur am Anfang jemanden, der einen unterstützt und mit Rat und Tat zur Seite steht. Bei Taylor Wessing fühle ich mich sehr gut aufgehoben. Zudem haben wir hier eine ganz enge Partneranbindung und trotzdem besteht individueller Gestaltungsspielraum.

Für wie viele Partner arbeiten Sie?

Bei mir sind es zwei Partner, für die ich tätig bin. Mit beiden verstehe ich mich sehr gut. Da findet ein intensiver Austausch statt. So wie ich mir das immer gewünscht habe. Der eine sitzt sogar direkt im Büro nebenan.

Die Arbeitszeiten sind okay?

An einem normalen Tag arbeite ich bis 20 Uhr. Das ist okay. In Spitzenzeiten, wie jetzt, wird es auch mal später. Wenn man das nicht akzeptiert, kann man sich um solch herausfordernde Fragestellungen nicht adäquat kümmern. Im Übrigen gibt es trotzdem viel Flexibilität und Gestaltungsspielräume für meine sonstigen Interessen. Ich singe beispielsweise im 'orpheus chor münchen' und der probt jeden Montag um 19.30 Uhr. Da muss und will ich hin. Das akzeptiert hier auch jeder. Es gibt nur wenige Situationen, in denen das nicht klappt. Und auch die Wochenenden sind bis auf Ausnahmen frei. Da bleibt genug Zeit zum Abschalten. Ich möchte also nicht tauschen.